Christian Meier

Christian Meier - Interview

ErzĂ€hl mir etwas ĂŒber deinen Hintergrund ?

Ich bin in Österreich geboren und habe meine ersten Lebensjahre hier in Tamsweg verbracht. Zu sagen, dass es ein leichtes Leben war, vor allem in finanzieller Hinsicht, wĂŒrde nicht der Wahrheit entsprechen. Zumal das Umfeld, in dem ich als Kind aufgewachsen bin, sehr schwierig war und Spuren hinterlassen hat.

Als ich 14 Jahre alt war, sind wir zu meinen Eltern nach Deutschland gezogen.  Mutter und Vater arbeiteten in der Gastronomie. Also habe ich mitgeholfen, um etwas Geld zu verdienen. Ich fing in der KĂŒche als KĂŒchenhilfe an, durfte in der BĂ€ckerei aushelfen und schaffte es voller Stolz bis zur Servicekraft.  So habe ich nach der Schule und den Hausaufgaben gearbeitet und mich finanziell unabhĂ€ngiger gemacht. Ein toller Nebeneffekt war, dass ich durch die Nebenjobs stressresistenter wurde und richtig Spaß daran hatte, einer sinnvollen BeschĂ€ftigung nachzugehen.

Wie hast du deine Schulzeit erlebt?

Schon als Jugendlicher bin ich mit einer positiven, unternehmerischen Einstellung durchs Leben gegangen. Dementsprechend ehrgeizig war ich auch in der Schule. WĂ€hrend meines Wirtschaftsabiturs an der FOS absolvierte ich ein halbjĂ€hriges Praktikum, das Teil meines Abiturs war, welches ich mit einem ausgezeichneten Numerus clausus abschloss. FĂŒr mein angestrebtes Studium in der Tourismusbranche musste ich eine lĂ€ngere Wartezeit in Kauf nehmen, die ich mit einem Nebenjob bei der Firma Baer. Elektronik ĂŒberbrĂŒckte, was mir auch das vorangegangene Praktikum ermöglichte. Zwischendurch habe ich ein halbes Jahr bei der Weltausstellung (1992) in Sevilla gearbeitet. Das war eine besondere menschliche und vielfĂ€ltige Erfahrung, die mich interkulturell und unternehmerisch sehr geprĂ€gt hat. Viele Menschen kennen zu lernen, sich mit ihnen auseinander zu setzen, erweitert den Horizont und verĂ€ndert den eigenen Blick auf die Welt. Nach meiner RĂŒckkehr 1993 setzte ich meine berufliche Laufbahn bei Baer. Elektronik fort. Die Vermarktung von RestbestĂ€nden elektronischer Bauteile gewann immer mehr an Bedeutung und wurde schnell zum zentralen GeschĂ€ftsprinzip. Eine zunehmende Konzentration auf Halbleiter war die logische Weiterentwicklung. Im Jahr 1996 erfolgte gemeinsam mit Herrn Baer (Fa. Baer Elektronik) die GrĂŒndung der AKI – Elektronik (AKI – All Kind of ICs). Auf Initiative meines GeschĂ€ftspartners trennten wir uns 1997. Die FortfĂŒhrung des neu gegrĂŒndeten Unternehmens erfolgte in großen Schritten.

Und so bist du mit der Elektrotechnik in BerĂŒhrung gekommen?

Wenn man von Video-, Computer- und FernsehgerÀten umgeben ist, hat man zwangslÀufig damit zu tun. Mein Interesse war geweckt. Bis heute finde ich zum Beispiel vergossene ICs (Integrated Circuits) spannend. Alles, was mit Chips, Kondensatoren, Leiterplatten usw. zu tun hat, fasziniert mich. Manche sehen darin nur einfache Bauteile, die langweilig erscheinen mögen. Aber wenn man bedenkt, in welche Welt uns die Halbleiter katapultiert haben, wird einem schwindelig. Ich betrachte Elektronik oft abstrakt. Ihr Innenleben basiert auf physikalischen Prinzipien. Aber in der Summe erweckt es zum Beispiel ein Smartphone zum Leben, mit dem ich Bilder und Gedanken einfangen kann. Dadurch werden Emotionen vermittelt, die uns beeinflussen. Dieser kausale Zusammenhang beeindruckt mich bis heute.

Was waren deine Aufgaben?

Ich habe mich vor allem um Bauteile gekĂŒmmert, die nicht mehr produziert wurden oder schwer zu bekommen waren. Damals, in den 80er und 90er Jahren, wurde noch viel repariert, anstatt Elektronik einfach zu verbrauchen und wegzuwerfen. Auch der Preis fĂŒr gute Elektronik war ein anderer. Ein neuer Fernseher konnte schon mal ein Monatsgehalt kosten.  Jedenfalls fand ich die Suche nach Bauteilen sehr herausfordernd, spannend und erfĂŒllte mich mit Freude, wenn ich wieder eine Quelle entdeckt hatte.  Dabei habe ich eine analytische Methode entwickelt, die im spĂ€teren Verlauf meiner unternehmerischen TĂ€tigkeit in eine sehr effiziente Software eingeflossen ist, mit der Daten extrem schnell erfasst und nach den jeweiligen SchlĂŒsselparametern klassifiziert werden können. Wir sprechen hier nicht von ein paar DatenblĂ€ttern fĂŒr ein Dutzend Kondensatoren. Ich spreche von Tausenden verschiedener Bauteile aus unterschiedlichen Produktklassen. Ich musste Werte und Daten aus Katalogen mit Tausenden von Seiten interpretieren. Dazu kam eine Flut von DatenblĂ€ttern, die einfach unendlich war. Und das zu einer Zeit, als das Internet noch in den Kinderschuhen steckte und Excel nur ein Begriff fĂŒr Topmanager, Statistiker oder Nerds war. In diesen Momenten kristallisierte sich eine Eigenschaft meines Geistes heraus, die fĂŒr die Datenanalyse von immenser Bedeutung war und ist. Ich habe ein fotografisches GedĂ€chtnis. Ich kann mir Zahlen, Tabellen, Seriennummern und Parameter so gut merken wie nur wenige Menschen in meiner Umgebung. Noch heute kann ich im Schlaf die Bauteile aufzĂ€hlen, die ich ganz am Anfang meiner Karriere in der Elektroindustrie verkauft habe. Eines fĂŒhrte zum Anderen. Der GeschĂ€ftsfĂŒhrer des in MĂŒnchen ansĂ€ssigen Radio- und Fernsehunternehmens erkannte das Potenzial, das in den schwer oder schnell zu beschaffenden Bauteilen steckte. Und so gediehen die PlĂ€ne fĂŒr ein gemeinsames Unternehmen. Meinem damaligen Mentor und Freund, der mich immer ermutigt hat, neue Wege zu gehen, habe ich viel zu verdanken. Leider haben wir uns dann in einer Phase getrennt, in der wir beide neue Wege gehen wollten.

Und daraus entstand Deine erste eigene Firma?

Zu meinen Aufgaben als Trainee gehörte vor allem in der Anfangszeit die Auftragsabwicklung. Ich hatte also Kundenkontakt und es hat mir viel Spaß gemacht, unsere Kunden zu beraten. Teilweise kamen auch Aufgaben im Einkauf hinzu. Schnell erkannte ich, dass der Bereich Halbleiter an Bedeutung gewinnen wĂŒrde. 1996 war das Jahr, in dem viele Menschen das Internet entdeckten, die Digitalisierung begann ihren unaufhaltsamen Siegeszug. Also begannen wir, ein Halbleitersortiment aufzubauen und uns stĂ€rker darauf zu konzentrieren. Auf diese Weise habe ich in der Praxis gelernt, was es bedeutet, wenn Kunden bei einem Engpass plötzlich Prozessoren und Speicherbausteine brauchen. Die Folge war, dass wir uns stark auf den Einkauf von Postenware konzentrierten und uns hier ein immenses Know-how aneigneten, von dem heute die gesamte ComSIT profitiert. Meine FĂ€higkeiten in den Bereichen Logistik, Einkauf und Verkauf fĂŒhrten nach meinem Wirtschaftsabitur zu einer Kooperation mit der Firma, bei der ich als Praktikant begonnen hatte. Aus dieser Zusammenarbeit entstand die Firma „All kinds of IC – AKI“. Kurze Zeit spĂ€ter trennte ich mich von meinem damaligen GeschĂ€ftspartner.

Jetzt war ich auf mich allein gestellt. Das war, wenn man so will, der Startschuss fĂŒr mein eigenes Startup. Ich konnte es kaum erwarten, loszulegen. Bald hatte ich drei Mitarbeiter und einen Laden in MĂŒnchen. Wir wuchsen schnell und ich stand plötzlich vor ganz anderen Herausforderungen. MitarbeiterfĂŒhrung, Außendarstellung, Marketing und vor allem die Logistik waren eine große Herausforderung. Die Bedingungen waren teilweise sehr hart. Manchmal habe ich nĂ€chtelang Prozesse optimiert, um das Unternehmen noch schneller auf seriöse Lieferanten auszurichten und Beziehungen zu ihnen aufzubauen. Die Konkurrenz, die viel grĂ¶ĂŸer war, lag immer auf der Lauer. Dementsprechend war es am Anfang ein harter Kampf mit RĂŒckschlĂ€gen, den ich tĂ€glich fĂŒhren musste. Ich habe mich als Underdog mit Startupflair gesehen und mich in der Branche hochgearbeitet. Gemeinsam mit unserem Team haben wir unsere Ziele erreicht. Der Erfolg fĂŒhrte sogar dazu, dass uns um die Jahrtausendwende ein höherer achtstelliger Millionenbetrag fĂŒr das Unternehmen angeboten wurde. Aus moralischen GrĂŒnden, auch den Mitarbeitern gegenĂŒber, habe ich mich damals dagegen entschieden.

Das Jahr 2000 war eine wilde Zeit.

Damals wollten alle an die Börse, das schnelle Geld machen und so weiter. Ich war von Natur aus skeptisch.  Die damaligen Entwicklungen und das Platzen der Dotcom-Blase haben mir gezeigt, dass ich richtig lag. Richtig lag ich auch mit dem Internet, das wir bereits um die Jahrtausendwende und davor intensiv nutzten, um ProzessablĂ€ufe strukturell und schrittweise zu verbessern. Vertrieb, Einkauf, Marketing und Logistik wurden dadurch enorm verbessert. Gerade fĂŒr die internationale Akquisition war das Internet von fundamentaler Bedeutung. Heute bildet ein gigantisches Netzwerk in Verbindung mit einer hoch entwickelten und innovativen Software das HerzstĂŒck unseres Unternehmens und gibt uns Einblick in die weltweite VerfĂŒgbarkeit aller Klassen elektronischer Bauelemente. Dieselbe Plattform ist auch unser Verkaufsportal, das uns mit Millionen und Abermillionen von Verbrauchern verbindet.  Im Jahr 2001, nach dem großen Börsencrash, haben wir uns mit meinem GeschĂ€ftspartner Peter Heimbach von der HBC zur ComSIT zusammengeschlossen. WĂ€hrend sich andere Unternehmen vom Börsencrash erholten, wuchsen wir stetig weiter und eröffneten Niederlassungen in Asien und den USA. Unser Ziel war es, ĂŒber das Internet 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche und 360 Tage im Jahr fĂŒr unsere Kunden erreichbar zu sein. Das ist uns gelungen.

Und wann hast du MĂŒzeyyen Carrasco-Demir, deine heutige GeschĂ€ftspartnerin, kennen gelernt?

Ich kannte MĂŒzeyyen seit 1996, als wir uns auf der Elektronika in MĂŒnchen trafen. Wir hatten eine humorvolle Diskussion ĂŒber Infineon-Bauteile, von denen ich der Meinung war, dass nur ich sie auf Lager hĂ€tte. Sie behauptete das Gegenteil und war ĂŒberzeugt, dass auch sie das Bauteil mit der Seriennummer TDA4718A (die Seriennummer hat sich in mein GedĂ€chtnis eingebrannt) beschaffen könnte. Und das sogar zu einem noch besseren Preis.  Und sie hatte Recht.  Diese energiegeladene Frau hat mich sehr beeindruckt. Sie hatte die Teile nicht nur besorgt, sondern zu meiner Überraschung auch noch zu einem gĂŒnstigeren Preis, als ich es damals hĂ€tte tun können. Danach trennten sich, abgesehen von sporadischen Kontakten, zunĂ€chst unsere Wege.  Bis 2008, als die Top-EinkĂ€uferin und exzellente VerkĂ€uferin als Gesellschafterin bei ComSIT einstieg. Im Jahr 2022 schied Peter Heimbach, den ich sehr schĂ€tze und dem wir viel zu verdanken haben, aus AltersgrĂŒnden aus dem Unternehmen aus. Seitdem bilden MĂŒzeyyen und ich ein CEO-Tandem. Und damit sind wir sehr zufrieden.  Denn unser Ziel ist es, das Unternehmen mit vielen neuen Ideen im GepĂ€ck in die Zukunft zu fĂŒhren.

Apropos Zukunft. Wie stellst du dir die fĂŒr das Unternehmen vor?

Zwei Faktoren spielen dabei eine Rolle.

1. ComSIT soll der grĂ¶ĂŸte unabhĂ€ngige Distributor seiner Art werden. Und wir sind auf dem besten Weg dorthin.

2. Das Unternehmen ist seinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern verpflichtet. Sie alle haben eine Familie, ein sicheres Zuhause. Ihre Zukunft gilt es zu sichern. Aber auch die Zukunft der jungen Menschen, die zu uns kommen wollen und eine Chance verdienen.

Ich habe in meinem Leben gelernt, immer positiv zu denken. Auch wenn man RĂŒckschlĂ€ge einstecken muss. Das ist wie im Boxring. Man fĂ€llt hin, aber man kann wieder aufstehen. Und dieses Beispiel sollten wir allen Menschen, die es wollen, geben. Egal, welches Handicap man hat, ob die Augenfarbe braun, blau oder grĂŒn ist oder aus welchem Kulturkreis man kommt. Jeder verdient eine Chance. Man muss sie nur nutzen.

Was wĂŒnschst du dir persönlich fĂŒr die Zukunft deiner Kinder?

Dass sie, was ich allen Kindern dieser Welt wĂŒnsche, behĂŒtet aufwachsen, dass sie Eltern haben, die fĂŒr sie da sind, dass sie eine glĂŒcklichere Kindheit haben, als ich sie hatte.  Und dass sie, wenn sie Ă€lter werden, auch an andere denken, denen es nicht so gut geht.

Sie sollen ein GespĂŒr fĂŒr unsere Umwelt entwickeln und Nachhaltigkeit ernst nehmen. Wir haben nur einen Planeten. Diesen gilt es zu schĂŒtzen und den nachfolgenden Generationen intakt zu hinterlassen. DafĂŒr tragen wir, die heutige Generation, die Verantwortung.

Verantwortlich mĂŒssen wir auch mit den neuen Technologien umgehen, die exponentiell und in immer schnelleren AbstĂ€nden auf uns zukommen. Zu nennen ist hier z.B. die kĂŒnstliche Intelligenz, die sich ihren Weg bahnt und die Welt verĂ€ndern wird. Damit sind aber auch Risiken verbunden, die wir im Auge behalten mĂŒssen.

Christian Meier

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